@phdthesis{Piesche2016, author = {Nicole Piesche}, title = {CLIL im naturwissenschaftlichen Unterricht - Auswirkungen auf den Wissenszuwachs und die Motivation im Sachfach. Ergebnisse eines randomisierten kontrollierten Feldexperiments an Realschulen}, url = {https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:lg1-opus4-4598}, pages = {196}, year = {2016}, abstract = {„Der bilinguale Unterricht breitet sich europaweit immer st{\"a}rker aus (vgl. Eurydice, 2006). Empirisch weitestgehend gesichert ist, dass sich diese Unterrichtsform positiv auf die sprachlichen Kompetenzen der Lernenden auswirkt (vgl. Dallinger et al., zur Ver{\"o}ffentlichung eingereichtes Manuskript (b); K{\"o}ller et al., 2012; Nold et al., 2008). Wenig erforscht sind hingegen die Auswirkungen auf den sachfachlichen Kompetenzzuwachs (vgl. Hollm et al., 2013b: 8; Bonnet \& Dalton-Puffer, 2013: 273), obwohl der ein gleichbedeutendes Ziel darstellt (vgl. Eurydice, 2006: 7). Weiterhin fehlen Studien, die die Effekte des bilingualen Unterrichts an anderen Schularten als dem Gymnasium in den Blick nehmen (vgl. K{\"u}ppers \& Trautmann, 2013: 291f.). Dabei ist eine zunehmende Implementierung dieser Unterrichtsform v. a. an Realschulen zu beobachten (vgl. Ministerium f{\"u}r Kultus, Jugend und Sport Baden-W{\"u}rttemberg, o. J.a). Ziel der Arbeit war es deshalb herauszufinden, wie sich der bilinguale naturwissenschaftliche Unterricht an Realschulen auf die sachfachlichen Kompetenzen (Wissenszuwachs und motivationale Orientierungen; vgl. Weinert, 2001: 27f.) der Lernenden an Realschulen auswirkt. Dabei wurde die potentiell moderierende Wirkung des Geschlechts sowie der sprachlichen und sachfachlichen Kompetenzen untersucht. (…I)n interdisziplin{\"a}rer Zusammenarbeit zwischen p{\"a}dagogischen Psychologen und Vertretern der Fachdidaktiken Englisch und Naturwissenschaften (wurde) ein l{\"a}ngsschnittlich angelegtes randomisiertes kontrolliertes Feldexperiment entwickelt und durchgef{\"u}hrt. Dabei wurden 30 Realschulklassen der Klassenstufe 6 (N = 722) randomisiert der deutsch- bzw. englischsprachigen Bedingung zugeteilt. Die Unterrichtsintervention bestand aus einer moderat-konstruktivistischen Unterrichtseinheit zum Thema „Schwimmen und Sinken“ (vgl. M{\"o}ller, 2005), die sich {\"u}ber f{\"u}nf Doppelstunden erstreckte. Alle Klassen wurden von derselben Lehrkraft unterrichtet und im Vorfeld der Studie, im Anschluss an jede der unterrichteten Doppelstunden, direkt nach der Intervention und sechs Wochen sp{\"a}ter befragt. (Es …) zeigte sich zun{\"a}chst, dass die bilingual unterrichteten Lernenden direkt nach der Unterrichtsintervention im sachfachlichen Wissenstest signifikant niedrigere Werte erzielten als die monolinguale Vergleichsgruppe. Dieser Effekt verringerte sich zwar durch die Aufnahme verschiedener Kontrollvariablen ins Modell (…), er blieb aber weiterhin signifikant (Studie 1). (…) Au{\"s}erdem konnte in der vorliegenden Studie kein signifikanter Unterschied zwischen den Unterrichtsbedingungen in der Behaltensleistung vom Post- zum Follow-up-Test identifiziert werden. Eine qualitativ bessere Informationsverarbeitung, die Untersuchungen sowohl bei zweisprachig aufwachsenden Kindern in nat{\"u}rlicher Umgebung (vgl. Bialystok \& Martin, 2004; Bialystok, 1999) als auch bei Sch{\"u}lerinnen und Sch{\"u}lern, die am bilingualen Unterricht teilnehmen (vgl. Heine, 2010b; Wannagat, 2013; Koch, 2005), bereits nachgewiesen haben, kann aus den vorliegenden Ergebnissen nicht abgeleitet werden. (…) Mit Hinblick auf wichtige motivationale Konstrukte (Kompetenzerleben, Angst, intrinsische Motivation und kognitive Mitarbeit) verdeutlichen die Analysen, dass es mit der realisierten Unterrichtsintervention sowohl im monolingualen als auch im bilingualen Unterricht gelang, die Lernenden auf einem {\"u}berdurchschnittlich hohen Niveau zu motivieren. Dennoch zeigten sich in Bezug auf das Kompetenzerleben und die empfundene Angst – wie zuvor schon beim Wissenszuwachs – signifikante Vorteile zugunsten der monolingual unterrichteten Versuchsgruppe. Auch diese Effekte wurden nach der Aufnahme von Kontrollvariablen (…) geringer, blieben jedoch statistisch bedeutsam. F{\"u}r die abh{\"a}ngigen Variablen intrinsische Motivation und kognitive Mitarbeit konnten keine statistisch bedeutsamen Befunde ermittelt werden. Tendenziell zeigten sich aber auch hier Nachteile f{\"u}r die bilingualen Lernenden (Studie 3). (…) Was die moderierende Wirkung des Geschlechts betrifft, so konnten weder f{\"u}r den Wissenszuwachs noch f{\"u}r die Motivationsentwicklung statistisch bedeutsame Effekte identifiziert werden (Studien 2 und 3). (…) Die Hoffnung, wonach es mit dem bilingualen naturwissenschaftlichen Unterricht (…) gelingen k{\"o}nnte, M{\"a}dchen an die Naturwissenschaften heranzuf{\"u}hren (vgl. Schenk, 2004: 285), kann also nicht best{\"a}tigt werden. Auch die sprachlichen Kompetenzen moderierten den sachfachlichen Lernzuwachs und die Motivationsentwicklung im bilingualen Unterricht weniger als erwartet. Lediglich Lernende mit einem hohen Englischselbstkonzept erzielten in beiden Unterrichtsbedingungen vergleichbare Wissenszuw{\"a}chse. Gleiches galt f{\"u}r Lernende mit einer hohen Englischleistung und einem hohen Englischselbstkonzept bez{\"u}glich des Kompetenzerlebens (Studien 2 und 3). Anders als bei Cummins (1979b), Marsh et al. (2000) und Farrell (2011) war es in der vorliegenden Studie nicht so sehr die objektive Englischleistung der Lernenden, sondern vielmehr das Englischselbstkonzept, also das Vertrauen in die eigenen Englischf{\"a}higkeiten, das sich positiv auf die Kompetenzentwicklung im bilingualen Unterricht auswirkte. Bez{\"u}glich der Moderation der Ergebnisse durch die sachfachlichen Kompetenzen zeigt die vorliegende Arbeit, dass sich bei Jungen ein hohes physikalisches Vorwissen im bilingualen Unterricht signifikant schlechter auf den Wissenszuwachs auswirkt als im monolingualen Setting. Gleiches gilt f{\"u}r die Wirkung eines hohen naturwissenschaftlichen Interesses bei Lernenden, die {\"u}ber ein ausgepr{\"a}gtes thematisches oder physikalisches Vorwissen verf{\"u}gen. Wie schon bei Abendroth-Timmer (2007) zeigte sich au{\"s}erdem, dass sachfachorientierte Lernende Einbu{\"s}en bez{\"u}glich der Motivation erfahren. Sch{\"u}lerinnen und Sch{\"u}ler mit einem hohen Selbstkonzept oder einem hohen Interesse in den Naturwissenschaften arbeiteten im bilingualen Unterricht signifikant weniger kognitiv mit (Studien 2 und 3).“ Auszug aus der Dissertation, S. 151ff.}, language = {und} }