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Die Wirksamkeit bilingualen Sachfachunterrichts: Selektionseffekte, Leistungsentwicklung und die Rolle der Sprachen im deutsch-englischen Geschichtsunterricht

  • Bilingualer Sachfachunterricht wird in Deutschland bereits seit 1969 in Form fest etablierter Züge an Gymnasien angeboten. Insbesondere seit dem Jahrtausendwechsel erlebte diese Unterrichtsform einen regelrechten Boom und wurde in den meisten Bundesländern systematisch und flächendeckend ausgebaut (KMK, 2013: 3-5). Parallel zu diesen Entwicklungen entstand, überwiegend im Bereich der Fremdsprachendidaktik, eine rege Forschungstätigkeit, die zu zahlreichen Publikationen führte. Dennoch bedarf es nach wie vor an inhaltlich umfassenden und forschungsmethodisch adäquat durchgeführten Studien zur Wirksamkeit bilingualen Unterrichts (Rumlich, 2014a; Bonnet, 2012; Pérez-Cañado, 2012; Bruton, 2011; Costa & D’Angelo, 2011). Dies stellt das Ziel der vorliegenden Arbeit zu deutsch-englischem bilingualen Geschichtsunterricht dar. Hierfür fand in Anlehnung an Helmkes (2012) Angebots-Nutzungs-Modell eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen der Fremdsprachen- und Sachfachdidaktik sowie der empirischen Bildungsforschung statt. Mithilfe der Integration bisheriger Erkenntnisse, spezifischer Überlegungen und methodischer Vorgehensweisen der jeweiligen Wissenschaftsdomänen wurden die Effekte dieser Unterrichtsform auf die Entwicklung der Englisch- sowie Geschichtskompetenzen der bilingual unterrichteten Lerner unter Berücksichtigung verschiedenster Schüler- und Klassenmerkmale untersucht sowie die Wirksamkeit spezifischer methodisch-didaktischer Unterrichtsaspekte in Bezug auf die Schülerleistungen bestimmt. Dies erfolgte innerhalb der folgenden empirischen Teilstudien. Teilstudie I.A untersuchte mögliche Unterschiede in den Lernausgangslagen zwischen 703 bilingual und 1103 einsprachig unterrichteten Achtklässlern zu Beginn des bilingualen Geschichtsunterrichts, die sich aufgrund schulischer Auswahlprozesse im Zusammenhang mit dem Besuch eines bilingualen Zugs ergeben haben könnten (Zydatiß, 2007: 70; Bredenbröker, 2000: 50). Solche unterschiedlichen Voraussetzungen müssen bei längsschnittlichen Untersuchungen zur Wirksamkeit des bilingualen Unterrichts berücksichtigt werden, um dessen Effekte bestmöglich isolieren zu können. Hierfür wurden die Daten der bilingual unterrichteten Lerner mit den Daten von zwei Vergleichsgruppen verglichen: einsprachig unterrichtete Schülerinnen und Schüler aus den Parallelklassen der Bilingualklassen sowie aus Schulen ohne bilinguales Unterrichtsangebot. Die Analysen ergaben Vorteile zugunsten der bilingual Unterrichteten in ihrem sozioökonomischen Status, den verbalen kognitiven Grundfähigkeiten sowie in der Motivation und im Vorwissen in Englisch und in Geschichte. Bezüglich figuraler kognitiver Grundfähigkeiten zeigten sich keine statistisch bedeutsamen Unterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern. Dasselbe traf auf kleinere Unterschiede zwischen den beiden einsprachig unterrichteten Vergleichsgruppen zu. Teilstudie I.B befasste sich anknüpfend an die Befunde aus Teilstudie I.A mit möglichen Selektionseffekten bilingualer Züge und beantwortete die Frage, ob sich die erwarteten Leistungsvorteile bilingual unterrichteter Schülerinnen und Schüler in Englisch durch deren möglicherweise günstigeren Lernvoraussetzungen erklären lassen (Rumlich, 2013: 184; Bruton, 2011). Hierfür wurden die in Teilstudie I.A analysierten Aspekte sowie weitere Unterschiede zwischen den Schülergruppen bezüglich der Bildungsnähe des Elternhauses berücksichtigt. Die Analyse der Daten der 703 bilingual und 659 einsprachig unterrichteten Lerner aus Schulen mit bilingualem Zug ergab, dass sich die Vorteile der bilingual Unterrichteten in den Englischleistungen deutlich verringerten, was auf Selektionseffekte zu deren Gunsten verweist. Es bestanden aber dennoch weiterhin Vorteile in Höhe von mindestens eineinviertel Schuljahren fort. Teilstudie II untersuchte auf Basis von verschiedenen Zweitspracherwerbstheorien und kognitionspsychologischen Erkenntnissen (Adesope, Lavin, Thompson & Ungerleider, 2010; Gass & Mackey, 2007; Krashen & Terrell, 2000; Krashen, 1985; Cummins, 1979) die Kompetenzentwicklung von 30 bilingual unterrichteten Klassen (703 Lerner) in Englisch und Geschichte im Verlauf der 8. Klassenstufe und verglich diese mit der Kompetenzentwicklung von 45 einsprachig unterrichteten Schülergruppen (1103 Lerner). Hierbei wurden in Anknüpfung an die Befunde aus den Teilstudien I.A und I.B mögliche Unterschiede zwischen bilingual und einsprachig unterrichteten Klassen berücksichtigt, und zwar in den durchschnittlichen Vorkenntnisständen, klassenbezogenen Lernvoraussetzungen sowie in der Unterrichtsqualität in Englisch und Geschichte und in Lehrermerkmalen. Die Leistungsentwicklung der bilingual unterrichteten Gruppen verlief im Hörverstehen deutlich positiver als bei den einsprachig unterrichteten Klassen. Bilingual Unterrichtete verbesserten diese Englischkompetenz also merklich stärker. Die Entwicklung der allgemeinen englischen Sprachfähigkeit sowie die Aneignung von Sachwissen in Geschichte hingegen verliefen im Verlauf des Schuljahres vergleichbar zwischen den Schülergruppen. Teilstudie III befasste sich in Anlehnung an Prinzipien und Theorien des Fremdsprachenerwerbs (Gass & Mackey, 2007; Krashen, 1985; Cummins, 1979; Butzkamm, 1973) mit der Wirksamkeit des Einsatzes von Mutter- und Fremdsprache hinsichtlich der Schülerkompetenzen im bilingualen Unterricht. Somit wurde untersucht, wie spezifische methodisch-didaktische Merkmale dieser Unterrichtsform die Leistungsentwicklung der bilingual unterrichteten Klassen bedingten unter gleichzeitiger Kontrolle von sozioökonomischem Status, Motivation und Vorkenntnisstand im Klassendurchschnitt. Die Auswertung der längsschnittlich erhobenen Daten von 30 bilingual unterrichteten achten Klassen (703 Lerner) und deren Lehrkräften ergab, dass ein verstärkter Englischinput durch die Lehrkraft mit günstigen Entwicklungen der Englisch- sowie Geschichtskompetenzen der Schülergruppen einherging. Dasselbe traf auf den planvollen Miteinbezug der Muttersprache, insbesondere bei der Einführung neuer Fachtermini, zu. Ein großer englischer Redeanteil seitens der Schülerinnen und Schüler hingegen ging mit negativeren Leistungsentwicklungen einher. In der Abschlussdiskussion wurden die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zusammengefasst und deren forschungsmethodisch bedingte Bedeutung aufgezeigt. Anschließend wurden Implikationen für die Schul- und Unterrichtspraxis abgeleitet sowie Forschungsperspektiven für zukünftige Untersuchungen zur Wirksamkeit bilingualen Unterrichts eröffnet.
  • Despite its high popularity throughout Europe, Content and Language Integrated Learning (CLIL) has recently received increased criticism. It has been argued that CLIL programmes are highly selective, i.e., the students possess more favourable learning prerequisites than their monolingually taught peers. Furthermore, it has been criticised that by using cross-sectional designs and failing to consider such selection effects of CLIL programmes, previous research has systematically overestimated the effects of CLIL on the development of students’ foreign language competences. Moreover, not many longitudinal studies have addressed the effects of CLIL on the content subject that is taught bilingually. Finally, there are no studies known that have investigated the specific usage of the two languages in the CLIL classroom and its effect on student competence development. The present research addressed these issues. Substudies I.A and I.B examined possible selection effects in German CLIL secondary schools. Assessed were basic cognitive skills, family background, achievement, and motivation of 1,362 CLIL and non-CLIL eighth-graders in the soon-to-be bilingually taught content subject of History. In addition, data on students’ foreign language achievement and motivation were analysed. Results indicated statistically significant selection effects in favour of CLIL students regarding their verbal cognitive skills, parents’ education, socio-economic status, cultural capital, achievement and motivation in History. Also, CLIL students showed substantial advantages in foreign language achievement and motivation. Even when selection effects and foreign language motivation of CLIL students were taken into consideration, they still outperformed their monolingually taught peers by one to almost two school years. Substudy II investigated the competence development of 1,806 German CLIL and non-CLIL eighth-graders in English and History while considering students’ prior achievement, gender, immigration background, basic cognitive skills, socioeconomic status, motivation, instructional quality, and teacher characteristics. Results showed greater increases in English listening comprehension in CLIL than non-CLIL classrooms but not in general English skills. In History, the increases in subject knowledge were comparable. The findings confirm previous, differential findings for English and show that CLIL is not detrimental to content-subject achievement. These results might provide a foundation for future decisions about the expansion of CLIL programmes. Substudy III addressed the usage of mother tongue and the foreign language English in CLIL History lessons on the part of the teacher and the students. Furthermore, its effects on student competence development in English and History was investigated in a sample of 703 CLIL eighth-graders (30 classrooms) and their teachers, while controlling for students’ prior achievement, socioeconomic status, and motivation. Results showed that high levels of English input by teachers resulted in positive effects on student English and History competences. The same was true for the teachers’ systematic use of German when introducing technical terms. Yet, high levels of English production by students resulted in negative effects on their competence development. In the general discussion, the substudies’ results were firstly summarised and then discussed with regard to their methodological relevance. Furthermore, theoretical and practical implications for CLIL organisation and teaching were derived. Finally, desiderata for future research on the effectiveness of CLIL in different contexts were pointed out and discussed.

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frontdoor_oas
Metadaten
Author:Sara Dallinger
URN:urn:nbn:de:bsz:lg1-opus4-677
Referee:Jan Hollm, Kathrin Jonkmann, Jörg-U. Keßler, Götz Schwab
Advisor:Jan Hollm, Kathrin Jonkmann
Document Type:Doctoral Thesis
Language:Multiple languages
Publishing Institution:Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Granting Institution:Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Date of final exam:2015/06/10
Release Date:2015/06/22
Year of Completion:2015
Embargo Date:2015/06/22
Tag:Bilingualer Geschichtsunterricht; Längsschnittstudie; Mehrebenenregressionsanalysen; Wirksamkeit bilingualen Sachfachunterrichts
Content and Language Integrated Learning (CLIL)
GND Keyword:Fremdsprachenunterricht; Geschichte/Didaktik; Sprachliche Kompetenz; bilingualer Sachfachunterricht
Faculties:Fakultät für Kultur- und Naturwissenschaften
Licence (German):License LogoCreative Commons - Namensnennung-Nicht kommerziell-Keine Bearbeitung

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